Geschichte

Oberst Redl, die Offiziere, die Spionage und der Schuß in den Mund

Oberst Redl, die Offiziere, die Spionage und der Schuß in den Mund

 

Die recht gute ORF-Sendung Universum History brachte wieder einmal die Geschichte vom Oberst Redl. Wirklich gut gemacht. Filme dazu hat es genug gegeben, gute, bessere und schlechte. Der mit dem Balser als Redl war in meinen Augen der beste, obwohl die Homosexualität Redls dabei recht diskret ausgeklammert worden ist. Ging damals nicht anders. Die Zeit war nicht reif dafür und der Balser hätte das wohl nicht gespielt.

Nicht wirklich gut war der Brandauer. Outriert und mißverstanden und Redl konnte man nicht mit den Nazis in Verbindung bringen. War aber sichtlich dem Brandauer sein Hauptanliegen. Auch recht.

Die Affäre Redl ist insgesamt recht gut dokumentiert, wobei der Egon Kisch vieles verschwiegen und auch falsche Fährten gelegt hat. Aber der Kern des Verrates ist recht klar überliefert.

Dazu etwas, was mir persönlich aufgefallen ist:

Redl ist entlarvt, der Selbstmord wird erwartet und ist auch unausweichlich. Drei Offiziere suchen ihn auf und konfrontieren den Verräter mit seinen Taten. Nun ist Redl damals sicher einer der eifrigsten Spione, der größte Verräter, den Österreich-Ungarn hatte. Er hat den Russen, den Italienern und auch den Franzosen praktisch alles verraten, was ihm zur Verfügung gestanden ist. Und man konnte sich wohl auch denken, daß ein solcher Mann auch recht gefährlich sein konnte – unvorhergesehene Reaktionen waren wohl zu erwarten.

So, und da besuchen ihn drei Offiziere, um ihm alles zu präsentieren und die denkbar einzige Konsequenz einzufordern – den Selbstmord. Kein anderer Ausweg für einen solchen hohen Offizier. Redl ist auch bereit dazu. Und man fragt ihn: „Herr Redl, haben Sie eine Waffe?“ Redl hat keine, bittet um eine solche. Aber auch die drei Offiziere haben keine Waffe, keine Pistole, keinen Revolver. Daher geht einer der Offiziere in das Büro und holt eine FN, übergibt sie Redl und man läßt ihn allein und dann erfolgt der zwangsläufige Suizid.

Seither frage ich mich, wie so etwas möglich sein konnte. Redl, ein Oberst, einer der größten Spione der damaligen Zeit, hat keine Waffe. Und noch besser, auch die drei Offiziere, die ihm den Selbstmord befehlen sollen, haben auch keine. Keiner von denen. Sie müssen die Waffe erst aus dem Büro holen. Unvorstellbar. Was sind das für Soldaten? Was sind das für Offiziere? Gehen zu einem überführten, manifestierten Spion, der sich umbringen muß. Sehen die keine Gefahr? Denken sie nicht daran, daß man sich in so einer Situation auch den Weg freischießen könnte, um dann nach Rußland abzuhauen?

Ist nicht geschehen und Redl hat sich wie erwartet in den Kopf geschossen. Glückliches Österreich, unglückliches Land.