Religiöses

Der Schofar und das Halali

Der Schofar und das Halali

 

Nach der Wahl brauchen wir eine kleine Auflockerung. Daher erzähle ich eine Geschichte.

Weg von der Politik, hin zur Religion und der Anlaß ist gegeben: Rosch ha-Schanah wird gefeiert und ich wünsche alles Gute. Und bei diesem Fest wird der Schofar – das Widderhorn geblasen. Klingt nicht besonders gut und lieblich schon gar nicht. Man erinnert sich, daß beim Klang des Schofars ja die Mauern von Jericho eingestürzt sein sollen. Also bitte.

Die Geschichte, die ich erzähle ist alt. Sie handelt von meinem Vater, der ja – ich habe es bereits erzählt – viele jüdische Freunde hatte. Die sind auch, seinem guten Rat folgend, vor 1938 ins Ausland gelangt und haben daher die Nazizeit gesund überstanden. Nach 1945 sind sie wieder zurückgekehrt und ich habe sehr viel von diesen Menschen, die im Haus meines Vaters ständig verkehrt haben, unglaublich viel gelernt. Jüdeln übrigens auch.

Ein besonders lieber Freund, genannt Schloime, ist als alliierter Offizier nach Österreich zurückgekommen. Er war vor den Nazis schon Jäger und er wollte im „neuen, wiederhergestellten Österreich“ selbstverständlich auch wieder jagen gehen. Nun gab es damals zwar noch keine Jagdprüfung, aber der Landesjagdverband hätte zumindest eine Bestätigung eines aktiven Jägers gebraucht, daß dieser Jagdkartenwerber auch vor dem Krieg gejagt hätte.

Also trat Schloime an meinen Vater heran, der freundschaftlich immer „Moische“ genannt wurde, er solle ihm eine solche Bestätigung ausstellen. Gerne, meinte mein Vater, aber was solle in der Bestätigung stehen? „Ich kann Dir hineinschreiben, daß Du auf dem Schofar Halali blasen kannst!“, so mein Vater. Natürlich stand das nicht drinnen in der Bestätigung, das hätten ja die österreichischen Weidkameraden nicht verstanden, sondern ganz was anderes. Jedenfalls genügte das und Schloime hat dann noch den einen oder den anderen Bock geschossen.

P.S.: Ich habe damals als Kind über den Sager meines Vaters recht herzlich gelacht. Und gemerkt habe ich mir das bis heute.