Gesellschaft

Der Schwabenspiegel hat es schon gewußt und wir wissen es immer noch nicht

Der Schwabenspiegel hat es schon gewußt und wir wissen es immer noch nicht

 

Ich schon. Wir alten Juristen kannten dieses Gesetzbuch aus dem 13. Jahrhundert, haben zumindest darum gewußt. Inzwischen hatte ich das natürlich vergessen.

Das nachfolgende Zitat verdanke ich dem Adolf Riautschnig, aus dessen sehr empfehlenswerten Buch: „Bauern Untergang“ ich das entnommen habe und ich zitiere es in der entsprechenden Schreibweise:

„Wir sullen den Herren nur darumb dienen, dass sie uns beschirmen. Beschirmen sie uns nit, so sind wir nichts schuldig, weder Dienste noch Rechte.“

Ja, das ist es. Die „Herren“ das sind unsere Herrscher, unsere Obertanen, unsere Politiker. Sie haben das Gewaltmonopol und sie haben es anzuwenden, uns zu „beschirmen“. Das tun sie aber nicht. Nicht mehr. Sie schützen uns nicht, „beschirmen“ uns nicht. Im Gegenteil. Wenn sie nämlich uns nicht mehr beschirmen, wäre es schon schlimm genug. Aber nicht genug damit, daß sie uns nicht mehr schützen, uns nicht mehr beschirmen, sie behindern uns, sie verbieten uns, daß wir selbst für unseren Schutz sorgen, weil sie uns die Waffen, vorenthalten, die wir zur Gegenwehr brauchen, weil eben dieses „Gewaltmonopol“ von unseren Herren nicht mehr angewendet, sondern in sträflicher Weise vernachlässigt wird.

Täglich, stündlich, versagen unsere Behörden, die „Herren“ bei ihrer Aufgabe, uns, die Untertanen zu schützen, zu beschirmen. Man lese Zeitungen, man schaue Fernsehen, man höre Radio, man erfahre, mit welcher Unverfrorenheit wir allein gelassen, verhöhnt und nicht mehr – überhaupt nicht mehr – beschützt werden. Und was wir dabei nicht erfahren, was uns verschwiegen wird, wobei wir angelogen werden, das wird mit jedem Tag schlimmer. Wir müssen erfahren, wie die Opfer, die sich gewehrt haben, statt gelobt zu werden, selbst angezeigt werden und ein Verfahren an den Hals bekommen, während der Täter über die Blödheit und Untätigkeit unserer Behörden lacht.

Die Hilfe, die wir aber dann erwarten, die kommt vielleicht doch irgendwann und wenn sie kommt, ist längst alles zu spät und das Blut haben wir gefälligst selber aufzuwischen.

Wir aber dienen brav weiter. Wir dienen den Herren, die nach dem Schwabenspiegel keine Dienste, keine Rechte mehr bekommen dürften, denn wir sind denen nichts mehr schuldig.

„Sie beschirmen uns nit“ und sie verdienen daher nichts. Überhaupt nichts.