Politik

Von Strasser bis Malmström

Von Strasser bis Malmström

 

Unser Parade-EU-Abgeordneter von der ÖVP, Ernst Strasser, ist jetzt schon zweimal vor Gericht gestanden. Ein drittes Mal wird es auch noch geben, möglicherweise auch ein viertes Mal. Der Sumpf der Korruption in Brüssel ist dabei schonungslos aufgedeckt worden. Bestechung, Lobbyismus, Intrigen, es ist wirklich schlimm.

In der EU kann man viel Geld machen. Wer dorthin geschickt wird, hat die Unschuldsvermutung in der Aktentasche und braucht sie auch.

Natürlich ist so ein Abgeordneter nur ein kleines Würstchen, gar nichts gegen einen Kommissar oder gar gegen eine Kommissarin. Ein Abgeordneter kann in Wirklichkeit ja kaum etwas anstellen, ein Kommissar sehr wohl. Wenn der etwas verkündet, wird das ganz leicht zu einem Gesetz, zu einer Richtlinie und das ist in ganz Europa umzusetzen. Da hängen Millionen oder Milliarden dran.

Wir sind also bei der Frau Malmström gelandet.

Sie hat gerade verkündet, daß sie gegen die Waffengewalt in Europa etwas unternehmen möchte. Und eine ihrer Ideen dazu ist die biometrische Sicherung aller Schußwaffen.

Millionen dieser Waffen gibt es in Europa, die wenigsten sind legal oder registriert, die meisten illegal und nirgends registriert. Die illegalen Waffen interessierten hier aber nicht, denn sie sind durch keine Richtlinie zu erreichen, kein Gesetz kann sie erfassen. Zwar werden fast alle Straftaten und alle Waffengewalt mit illegalen Waffen verübt, aber wie gesagt, für Frau Malmström sind diese Waffen völlig uninteressant. Weil sie nämlich illegal sind kann man sie nicht reglementieren und die Besitzer illegaler Waffen lassen sich auch nicht reglementieren. Und in Wirklichkeit will die EU ja nicht die Kriminalität bekämpfen und auch nicht die Waffengewalt sondern einzig und allein die legalen Waffen der EU-Bürger.

Bleiben wir also bei Frau Malmström und ihrer biometrischen Sicherung:

Technisch gibt es so etwas. Ist zwar nicht ausgereift und funktioniert auch nicht wirklich, das macht aber gar nichts. Die Sicherung wird in eine Schußwaffe eingebaut und soll gewährleisten, daß diese Waffe nur von ihrem rechtmäßigen und amtlich zugelassenen Besitzer abgefeuert werden kann. Chip oder Fingerabdruck. Ob das jetzt funktioniert oder nicht, ist egal, es geht ja rein ums Geld. Kosten wird das wahrscheinlich 500 bis 1.000 € pro Waffe, also sicher mehr, als die meisten Waffen überhaupt wert sind.

Damit aber erzielt man zwei Effekte:

Erstens: Viele Leute werden ihre legalen, registrierten Waffen abliefern, weil ihnen der Aufwand einfach zu teuer ist. Auch gut. Jubel in der EU. Entwaffnung funktioniert.

Zweitens: gibt es Geld, viel Geld zu verdienen.

Beispiel: Das NWR (Nationale Waffenregister) in Deutschland hat bis jetzt 5 Millionen Schußwaffen registriert. Wären locker 2 bis 5 Milliarden in den Taschen der Produzenten solcher Systeme. Auf ganz Europa umgelegt, ergäbe das unvorstellbare Summen. Was könnte da für einen Abgeordneten, was könnte da für eine Kommissarin abfallen? Für jemanden, der ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringt? Wenn schon so ein kleines Licht wie Strasser auf 100.000 € hereingefallen ist?

Und jetzt versetzen wir uns in die Situation eines Lobbyisten in Brüssel. Setzen wir uns an die Stelle des Herrn Strasser. Und dann setzen wir uns an die Stelle der Frau Malmström. Und dann warten wir, bis die Herren mit den Geldkoffern auftauchen.

Nein, wir setzen uns lieber nicht. Denn es gilt die Unschuldsvermutung. Für die ganze Brüsseler Bande.

 

P.S.: Der Artikel ist natürlich eine satirische Überhöhung und Ausdruck meiner künstlerischen Freiheit. Den hier genannten Persönlichkeiten wollte ich nie etwas unterstellen oder ihnen etwas Strafbares vorwerfen. Das sind ja integre Politiker, die über jeden Verdacht erhaben sind, unsere Vertreter in der EU, stets besorgt um unser Wohl und um unsere Sicherheit. Nie würden sie sich bestechen lassen.

Und um mit Kennedy zu sprechen: „Ich bin ein Brüsseler!“