Waffenrecht International

Die gute alte Zeit

 

Die gute alte Zeit
 
Wenn man sich damit beschäftigt, macht man sich verdächtig. Nostalgiker zu sein, hat einen schlechten Beigeschmack. Schon die alten Griechen und auch die Römer haben die Unsitten der Jugend beklagt, die Unerzogenheit angeprangert und der guten alten Zeit nachgetrauert. Immer dasselbe: die gute alte Zeit und die neue schlechte Zeit.
Gäbe es Aufzeichnungen aus noch früheren Zeiten zu diesem Thema, wäre der Befund auch nicht anders. Es war früher einfach alles besser. Tatsächlich?
Das hat natürlich mit dem selektiven Erinnerungsvermögen der Menschen zu tun. Schlechtes vergißt man leichter, Gutes behält man länger. Das Leben wird dadurch erträglicher.
Aber manche Dinge sind wirklich schlechter geworden. Die Jugend ist wirklich schlechter als früher, sie ist vor allem eindeutig schlechter – nämlich gar nicht – erzogen. Die Kenntnisse schwinden, die Achtung vor anderen Menschen schwindet, insgesamt sind die jungen Leute lebensuntüchtiger geworden. Die primitivsten Regeln des Zusammenlebens existieren nicht mehr.
Noch halten wir das aus, können das mit unseren angesammelten Gütern auffangen, können uns den Luxus einer solchen, immer weniger leistungsfähigen Gesellschaft erlauben, können Schmarotzer durchfüttern. Aber so lange wird es nicht mehr gehen. Auch die unverbesserlichsten Optimisten können das nicht mehr leugnen.
Was jedenfalls nicht zu leugnen ist: In den letzten Jahren hat eine gewaltige Steigerung der Kriminalität stattgefunden. Statistiken sagen nur wenig aus – sie sind durchwegs geschwindelt, sogar unverfroren gefälscht. Die Methoden der Manipulation sind bekannt und hier schon vielfach besprochen worden. Bemerkenswert: Die Jugendkriminalität hat bei der Zunahme dieser Verbrechen einen unverhältnismäßig großen Anteil. Das können auch geschönte Statistiken nicht verschleiern.
Die Ursachen dafür sind bekannt, sie müssen hier nur schlagwortartig erwähnt werden: Unkontrollierte Öffnung der Grenzen, Zustrom ortsfremder Personen mit kulturfernem Hintergrund und hoher krimineller Energie, Aushungerung der Exekutive, wirkungslose Justiz.
Besonders dramatisch in diesem Zusammenhang: Straftaten Jugendlicher in Schulen, in ihren eigenen Schulen bis hin zu sogenannten Schulamokläufen. Das alarmiert die Öffentlichkeit ganz besonders und natürlich zu recht. Nach den Ursachen für diese Bluttaten wird verständlicherweise geforscht. In der Regel wird das Tatmittel Waffe, insbesondere Schußwaffen für die Taten verantwortlich gemacht und die Rezepte gegen diese Verbrechen konzentrieren sich auch darauf, was bedeutet, daß andere Ursachen nicht gesucht und daher auch nicht gefunden werden. Die Lösung erschöpft sich daher in der Verschärfung der jeweils geltenden Waffengesetze, wozu die verantwortlichen Politiker nur allzugerne bereit sind.
Für die Politiker besteht ja der Vorteil dieser Vorgangsweise darin, daß die Medien das ausnahmslos fordern und daher selbstverständlich begrüßen. Eine gute Presse ist also den Politikern gewiß. Weiters ist es einfach immer gut, schnell ein Gesetz zu erlassen, es dokumentiert, daß man gegen diese Verbrechen entschlossen etwas unternimmt, auch wenn das nur Paragraphen und somit wertloses Papier sind. Die Nützlichkeit solcher Maßnahmen wird dabei nicht hinterfragt, denn wäre sie wider Erwarten gegeben, würde sich das erst in der Zukunft erweisen. Der Momentaneffekt ist aber eingetreten, es ist etwas geschehen und mehr wird nicht verlangt. Die Öffentlichkeit - und was noch wichtiger ist - die öffentliche Meinung ist beruhigt und zufrieden.
Natürlich hat die Beschaffenheit eines Waffengesetzes mit Mordtaten in Schulen oder anderen „waffenfreien Zonen“ überhaupt nichts zu tun. Auch das wurde schon wiederholt ausgeführt.
Solche Täter planen ihre Verbrechen äußerst sorgfältig und können sich ihre Waffen auf jedem Weg – illegal oder legal – besorgen. Die Beschaffung der Tatmittel ist daher immer möglich, das Vorhandensein oder die Strenge diesbezüglicher gesetzlicher Bestimmungen spielt dabei keine Rolle. Abgesehen davon treten die auch noch so strengen Ausformungen waffengesetzlicher Verbote bei der Ausführung von Morden und den oft mitgeplanten Selbstmorden total in den Hintergrund. Sie sind völlig bedeutungslos.
Hier ist wieder einmal ein Blick in die Geschichte hilfreich.
Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts waren die Waffengesetze in Europa geradezu unvorstellbar liberal. Jeder Erwachsene konnte sich jede beliebige Schußwaffe ganz legal kaufen, Verbote gab es höchstens für Kriegsmaterial. Ein Bedürfnis mußte man bestenfalls nur dann nachweisen, wenn man die Waffe führen wollte. War aber auch sehr einfach. Beschränkungen in der Stückzahl gab es normalerweise nicht.
Ebenso existierten überhaupt keine Verwahrungsvorschriften, auch eine diesbezügliche Kontrolle gab es nirgends. Die Waffen lagen unter den Kopfpolstern, in den Nachtkästchen, hingen an der Garderobe, standen in den Schränken ungesichert herum. Kinder hatten jederzeit Zugang.
Dazu kam, daß die heranwachsende Jugend mit Kriegsrelikten wohlversorgt gewesen ist. Fundstücke aus Wald und Feld gab es genug, Munition auch, alles hat noch gut funktioniert. Schießübungen an geeigneter – oder auch weniger geeigneter Stelle – waren an der Tagesordnung, niemanden regte das auf. Die Polizei hatte auch anderes zu tun.
Und das Erstaunliche: die Kriminalität war gering, Unfälle waren genau so selten wie heute auch und Schulamokläufe gab es überhaupt nicht. Und das, obwohl manche Lehrer (Lehrerinnen gab es bestenfalls in der Volksschule) tyrannische Gfraster gewesen sind, die von einem pädagogischen Kuschelkurs recht weit entfernt agiert haben. Jedenfalls wären weder ich noch meine zahlreichen immer gut bewaffneten Freunde auf die Idee gekommen, einen Lehrer oder gar Mitschüler umzunieten.
Es hat sich aber seither viel, gewaltig viel geändert.
Die Waffengesetze sind drakonisch verschärft worden. Die Schulen sind waffenfreie Zonen, sogar Taschenmesser – früher der unentbehrliche Begleiter jeden Schülers - sind verbannt und werden konfisziert. Die Fahrtenmesser der Pfandfinder sieht man nicht mehr. Sogar das Zeigen von Bildern mit Waffen ist streng verpönt – politische Mörder und Terroristen natürlich ausgenommen. In den Schulen herrscht heutzutage die Atmosphäre eines Hochsicherheitstraktes in Alcatraz. Über Metalldetektoren und Eingangskontrollen wird bereits nachgedacht.
Sicherheit bringt das alles nicht. Im Gegenteil. An den Waffengesetzen und am Umgang der Bürger mit Waffen kann es daher nicht liegen.
Woran liegt es also dann?
Abgesehen von der oft völligen Abwesenheit rudimentärster Erziehung der jungen Leute im Elternhaus, findet diese auch in der Schule kaum mehr statt. Erziehung würde nämlich bedeuten, daß zumindest eine geringe disziplinäre Einwirkungsmöglichkeit auf den zu Erziehenden gegeben ist. Das entfällt aber jetzt total, über gutes Zureden und fruchtlosen Meinungsaustausch hinaus hat man den Lehrern und den Eltern jede Sanktionsmöglichkeit genommen. Die strengsten Eltern der Welt gibt es nur im Ausland. Die Resultate gestalten sich nicht unerwartet.
Einen sehr wichtigen Aspekt hat der Kinderpsychologe Jerome Kagan aufgezeigt: in einem Gespräch mit dem „Spiegel“ (Nr.31) weist er auf die dramatische Zunahme psychischer Erkrankungen bei Kindern hin. Es ist hier nicht der Platz, auf diese Problematik einzugehen, man sollte das Gespräch aber unbedingt nachlesen. Äußerst aufschlußreich.
Für ihn ist diese Zunahme vorzugsweise ein Diagnoseproblem, wobei nach seiner Ansicht diese Krankheiten hauptsächlich eine Erfindung der damit befaßten Kinderärzte und Psychologen sind, wobei die Symptome recht einfach mit Psychopharmaka (Ritalin und ähnlichem) therapiert werden. Ursachenforschung unterbleibt normalerweise.
Gerade das ist unglaublich verderblich und es ist eine Tatsache, daß alle diese „Schulamokläufe“ ausnahmslos von Personen begangen wurden, die sich in entsprechender Behandlung befunden haben und die auch mit solchen Medikamenten versorgt worden sind. Der Zusammenhang ist nicht von der Hand zu weisen und es ist bezeichnend, daß bei all den Diskussionen über die Ursache solcher Bluttaten dieser Aspekt ganz bewußt ausgeklammert worden ist.
So entpuppt sich die immer wiederkehrende Forderung nach Verschärfung der Waffengesetze als gigantisches Ablenkungsmanöver. Denn nicht die Waffe tötet, sondern der Mörder tötet und er tötet nicht, weil er zufällig eine Waffe hat, sondern weil in seinem Hirn etwas dramatisch schiefgelaufen ist.
Aber die Mittäter, die Psychologen, die Ärzte, die Journalisten und die Politiker legen falsche Spuren. Sie legen falsche Spuren, weil sie von ihrer eigenen Schuld ablenken wollen und das gelingt ihnen deshalb so gut, weil sie selbst die Ermittlungen leiten und in der Hand haben.
Der Kommissar als Täter – das leisten sich nur schlechte Kriminalfilme. Hier aber ist es Wirklichkeit. Der Film ist schlecht - aber immer noch ein Kassenschlager.

Programmwechsel wäre dringend erforderlich!